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RHEINMETROPOLE KÖLN

ZUKUNFT EINER MILLIONENSTADT

Lesedauer: 13 Minuten
10. März 2023

Im Gespräch mit Dipl.-Ing. Andreas Röhrig (AR), Geschäftsführer der Kölner Stadtentwicklungsgesellschaft moderne stadt beleuchtet Roland Kampmeyer (RK) die neuen Herausforderungen der Kölner Stadtentwicklung und die Entwicklung der Schlüsselprojekte beiderseits des Rheins.


Dipl.-Ing. Andreas Röhrig

Geschäftsführer

moderne stadt
Gesellschaft zur Förderung des Städtebaues und der Gemeindeentwicklung mbH


RK: Die Stadtentwicklungsgesellschaft moderne stadt trägt durch die Entwicklung von gemischten Stadtquartieren zur Versorgung der Kölner Bevölkerung mit qualitätvollem Wohnraum bei. Die Gesellschaft wird jeweils zur Hälfte von der Stadt Köln sowie von dem SWK-Konzern gehalten. Wie werden sie dem geforderten Beitrag zu sozialer Nachhaltigkeit und Daseinsvorsorge gerecht, um für mehr bezahlbaren Wohnraum in Köln zu sorgen?

AR: Einen Zuwachs an günstigen Mietwohnungen erreicht die moderne stadt in vielen Quartieren gemeinsam mit Wohnungsbaugesellschaften wie der GAG und den Kölner Wohnungsbaugenossenschaften und -initiativen. Als Partnerunternehmen unterstützen sie die Entwicklung einzelner Stadtquartiere und sorgen als Verwalter in großen Neubauquartieren genauso wie in gewachsenen, urkölschen Veedeln für noch höhere Lebensqualität. Durch unsere eigene Bauträgertätigkeit und die Entwicklung moderner Stadtquartiere mit einer großen Vielfalt an Nutzungs- und Wohnformen versuchen wir dazu beizutragen, dass Köln seine Spitzenposition unter den Rheinmetropolen behauptet. Es gehört zur Verantwortung, öffentliche Dienstleistungen zuverlässig und bürgernah zu gestalten. Dazu zählt auch die Versorgung der Bevölkerung mit den für eine hohe Wohnqualität erforderlichen Infrastrukturen. Als fest in Köln verankertes Unternehmen stellen wir überall dort, wo es machbar, sinnvoll und gefordert ist, ganzheitliche Nachhaltigkeit sicher. Letztendlich dürfen Sie über das berechtigte Interesse an zukunftsfähigen Dienstleistungen und günstigen Wohnungen aber nicht vergessen, dass die moderne stadt eine Konzerngesellschaft der Stadtwerke Köln ist. Ein Teil unseres Auftrags besteht im wirtschaftlichen Erfolg der Stadtwerke und der Stadt Köln auf Basis langfristiger Wertschöpfung. Dabei halten wir die Balance zwischen dem wirtschaftlichen Ergebnis im Sinne ihrer Gesellschafter, der Stadt Köln und der Stadtwerke Köln GmbH auf der einen und dem Mehrwert für die gesamte Kölner Stadtgesellschaft auf der anderen Seite. So hat moderne stadt das Jahr 2021 mit einem Überschuss von rund 3,7 Millionen Euro erfolgreich und erneut besser als geplant abgeschlossen. Das bedeutet, dass wir mit der Lebensqualität für Kölner Bürger auch die Wirtschaftskraft der Stadt Köln erhöhen. Kurz gesagt muss die moderne stadt verlässliche Daseinsvorsorge, Bürgernähe und unternehmerischen Erfolg ausgewogen miteinander verbinden.

Kölner Dom und Hohenzollernbrücke

RK: Aus dem Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft zum Wohnungsbedarf in Deutschland vom November 2021 geht hervor, dass vor allen Dingen die Bautätigkeit in Köln erhöht werden muss. In der viertgrößten Stadt Deutschlands müssten in den nächsten Jahren durchschnittlich 5.700 neue Wohnungen entstehen. Im Zeitraum von 2016 bis 2020 wurde der Kölner Bedarf von jährlich 6.900 Fertigstellungen nur zu 40 Prozent gedeckt. Wohin werden diese Entwicklungen führen?

AR: Zunächst ist erstmal festzustellen, dass es in fast allen deutschen Großstädten seit vielen Jahren zu wenig Wohnungen gibt. In Köln liegt das in erster Linie an einer Zeit bemerkenswerter Zuwanderung. Von 2013 bis 2019 ist die Bevölkerung um fast 8.000 Einwohner pro Jahr gestiegen. Die genauen Zahlen hat das Amt für Stadtentwicklung und Statistik noch nicht veröffentlicht, aber im Jahr 2022 dürfte wieder ein mindestens genauso starkes Wachstum festgestellt werden. Wachstum durch Zuwanderung lebt nach Corona wieder auf und gleichzeitig belasten stark steigende Preise den Wohnungsbau. Vonovia, der größte deutsche Wohnungsbaukonzern, möchte, wie wir wahrscheinlich alle schon gehört haben, in diesem Jahr gar keine neuen Wohnungen mehr fertigstellen. In Berlin betrifft das den Bau von 1500 Wohnungen. Gestiegene Baukosten und Zinsen würden, so die Vonovia, Durchschnittsmieten von rund 20 Euro erforderlich machen. Sie wissen selbst, was das im Rheinland bedeuten würde. Die LEG wird auch keine Neubauprojekte mehr anstoßen. Sie wird ihre Investitionen aber wenigstens auslaufen lassen. Die Mieten sind jetzt schon zu hoch. Laut Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln sind die Neubaumieten von 2021 bis 2022 um etwa sechs Prozent gestiegen. Ihr aktueller Marktbericht weist für Köln schon eine durchschnittliche Neubaumiete von über 13 Euro aus und je weniger gebaut wird, desto höher wird der Druck auf die Mieten. Hinzukommt, wie Sie selbst berichten, dass viele Kaufinteressenten jetzt auf Mietwohnungen ausweichen. Das lässt vermuten, dass sich die bisherige Dynamik noch weiter erhöhen wird. Von bezahlbarem Wohnen kann im freifinanzierten Neubau dann kaum noch die Rede sein. Der Wohnungsbau wird verstärkt auf Förderung, teilweise auch auf Rücklagen zurückgreifen müssen. Schließlich haben Wohnungsbauunternehmen in besseren Zeiten, die noch gar nicht so lange zurückliegen, gutes Geld verdient.

RK: Die meisten Vermieter von Neubauwohnungen werden wahrscheinlich weiterhin versuchen, eine möglichst hohe Miete zu erzielen. Niemand kann sagen, wie lange 20 Euro in Köln noch eine Ausnahme bleiben. Wie kann die Stadtentwicklung der wachsenden Wohnungsknappheit konkret begegnen und insbesondere im Neubau der Unbezahlbarkeit von Mieten vorbeugen?

AR: Die moderne stadt ist die Stadtentwicklungsgesellschaft in Köln für Köln, also für alle Kölnerinnen und Kölner. Wir werden uns deshalb auch zukünftig im preisgedämpften und öffentlich geförderten Wohnungsbau engagieren. Ich möchte betonen, dass es uns über die dauerhafte Wertschöpfung für die Stadt Köln hinaus auch um die funktionale und gestalterische Nutzung des Kölner Stadtraums für alle Bürgerinnen und Bürger und um ganzheitliche Nachhaltigkeit geht. Ein beispielhafter Beleg dafür ist die mehrfache Auszeichnung des Clouth-Quartiers, u. a.  mit dem polis Award 2018 in der Kategorie Soziale Quartiersentwicklungen. Diesen Award erhalten Quartiere mit zukunftsfähigen, lösungsorientierten Konzepten für gegenwärtige soziokulturelle und demografische Herausforderungen, mit bedarfsgerechten Infrastrukturen, barrierefreier Gestaltung und nicht zuletzt durch soziale Durchmischung. Im Clouth-Quartier ist uns eine erfolgreiche Umsetzung all dieser Anforderungen gelungen. Dazu gehört eben auch, dass öffentlich geförderter als auch preisgedämpfter Wohnraum gebaut wird. Das Miteinander der wachsenden Kölner Bevölkerung kann zu noch mehr Wohn- und Lebensqualität in lebendigen Quartieren führen. Das werden wir als Stadtentwicklungsgesellschaft weiterhin auch und insbesondere in den Kölner Zukunftsquartiere tatkräftig unterstützen.

Clouth-Quartier im Abschnitt CLOUTH 3

RK: Die soziale Durchmischung wurde schon vor mehr als 150 Jahren gefordert. Sie sollte Gefahren wie soziale Unruhen und Seuchen abwehren. Benachteiligte sollten mithilfe bürgerlicher Werte die sogenannte Kultur der Armut überwinden. Heute wird unter sozialer Durchmischung häufig die Vereinfachung des Aufstiegs sozial Benachteiligter durch positive Rollenbilder verstanden. Darüber, ob und wie das in der Praxis wirklich funktioniert, besteht keine Einigkeit. Viele halten soziale Durchmischung für eine Worthülse, einen Mythos – sehen in ihr einen Deckmantel für den städtischen Fokus auf Wohnangebote für Bessergestellte oder sogar für die Absicht, ganze Veedel zu gentrifizieren und finanzschwache Gesellschaftsschichten zu verdrängen. Tatsächlich bleiben die Bemühungen um Durchmischung in einigen Städten erfolglos. Durchmischung hat dort zu sozialer Spaltung auf engem Raum geführt. Was hat die moderne stadt zum Beispiel im Clouth-Quartier anders gemacht, um ein ausgezeichnetes, durchmischtes Quartier zu entwickeln?

AR: Bei allen mehr oder weniger berechtigten Einwänden sehen wir durchmischte Quartiere als urbane Lebensräume sozialer Integration. Die nachbarschaftliche Annäherung unterschiedlicher, aber gleichberechtigter Bevölkerungsschichten hat weniger mit sozial Benachteiligten oder Begünstigten zu tun als vielmehr mit wirtschaftlich und finanziell unterschiedlich gut aufgestellten Kölnerinnen und Kölnern aller Altersgruppen. Der gesamten Stadtgesellschaft in allen Wohnlagen vergleichbare Chancen zu bieten ist ein wesentlicher Teil unserer Verantwortung als Stadtentwicklungsgesellschaft. Um das zu erreichen, sollte ein erheblicher Teil der Fläche aller Kölner Neubauquartiere dem öffentlich geförderten und dem  preisgedämpften Wohnen, den Genossenschaften und Baugruppen vorbehalten sein: Verdrängung und Abgrenzung bergen genau die Gefahren, die wir aus den Hochhaussiedlungen der 70er und 80er Jahre kennen. Um Köln als Ganzes von sozial und funktional gemischten Schlüsselquartieren profitieren zu lassen, ist auch eine hoheQualität von Kultur- und Freizeitangeboten sowie Schulen und Kindergärten erforderlich. Dafür ist das Clouth-Quartier wirklich ein gutes Beispiel.

RK: Erfolgreiche Quartiersentwicklung setzt also viel Übersicht und eine große Bandbreite an Kompetenzen voraus. Wie schaffen Sie es, der Vielfalt der speziellen Anforderungen und den sich teilweise widersprechenden Interessen und Vorstellungen gerecht zu werden?

AR: Heutzutage tragen viele Experten auf unterschiedlichen Spezialgebieten zum Erfolg eines Quartiers bei. Wir haben in 50 Jahren Unternehmensgeschichte gelernt, dass Eigenregie ihre Grenzen hat und es hat sich hervorragend bewährt, nicht alle Abschnitte in eigener Regie zu bebauen. Im Clouth-Quartier haben zum Beispiel rund 30 Akteure mitgewirkt und mit weiteren Partnerunternehmen unterschiedliche Akzente gesetzt. Konsequente und flächenschonende Verdichtung, weitläufige Grünflächen, hohe Aufenthaltsqualität, kurze Wege, leistungsfähige Mobilitätskonzepte. Das sind Maßstäbe, an denen sich die moderne stadt bei der Entwicklung durchmischter Quartiere mit jeweils ganz eigener Identität sowohl am Stadtrand als auch im Stadtzentrum orientiert. Um Kölnerinnen und Kölnern unabhängig von ihrer Vermögens- oder Einkommenssituation mit jedem Quartier ein sicheres Zuhause, ein eigenes Stück Köln, bieten zu können, beziehen wir das Kölner Genossenschaftswesen auch zukünftig aktiv in die Stadtentwicklung ein. Die GAG und die Wohnungsgenossenschaften engagieren sich traditionell im öffentlich geförderten Wohnungsbau. Von ihrem Erfahrungsschatz profitieren wir alle auch, weil sie Mieter auswählen, die wirklich ins Quartier passen. Wie Sie selbst wissen, gehört die ausgewogene Bewohnerstruktur ganz selbstverständlich zu den Maßstäben einer erfolgreichen Quartiersentwicklung dazu. Auch die Zusammenarbeit mit Ihnen gehört für mich zu den konstruktiven Partnerschaften, in denen spezifische Zielvorgaben der Vermarktung reibungslos abgestimmt und umgesetzt werden. Das hilft allen an der Entwicklung Beteiligten und dient der Nachbarschaft aller, die sich in den Neubauquartieren als Teil eines neuen Veedels verstehen.

RK: Der Verkauf und die Vermietung von Wohnraum in Neubauquartieren stellt besondere Ansprüche an die Vermarktungskapazität. Sie ist mit hohen Anforderungen an die Marktpräsenz, die Verkaufs- und Vermietungsprozesse, die Organisationsstrukturen und besonders an die personelle Kapazität eines Maklerhauses verbunden. KAMPMEYER ist das Ergebnis von rund 30 Jahren Unternehmensentwicklung. Im Auftrag von moderne stadt hat das Team in den letzten zwanzig Jahren auch Vertriebsverantwortung in Kalk, im Rheinauhafen, am Butzweilerhof und im Clouth-Quartier übernommen. Die Erstvermietung der Wohnungen in Haus 1 in Köln-Porz gehört zu den jüngeren Aufträgen. Die Vermarktung hat auch dort gezeigt, dass Ihre Schlüsselprojekte von der Kölner Bevölkerung sehr gut angenommen werden. Worin bestehen die Besonderheiten des Quartiers Neue Mitte Porz und was macht Ihre Arbeit insgesamt so erfolgreich?

AR: Für all unsere Quartiere sind die Stabilität der sozialen Durchmischung und die Fülle gelebter Wohnkonzepte charakteristisch. Sie leben von ihren individuellen, unverwechselbaren Merkmalen und von der Vielfalt derer, die dort wohnen oder arbeiten. Ein Alleinstellungsmerkmal des Quartiers Neue Mitte Porz besteht, wie schon sein Name sagt, in seiner Zentralität innerhalb des rechtsrheinischen Bezirks Porz. Neben den 49 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen gibt es in Haus 1 einen begrünten Innenhof sowie Handelsflächen im Erdgeschoss, in die mit REWE ein renommierter Lebensmittelvollsortimenter eingezogen ist. In der Tiefgarage stehen 51 Stellplätze für die Mieter der Wohnungen zur Verfügung. Damit erfüllt das Projekt wesentliche infrastrukturelle Merkmale einer erfolgreichen Entwicklung. Trotz pandemiebedingter Verzögerungen und der allgemeinen Baustoffknappheit konnte die Wiederbelebung des ehemaligen Stadtteilzentrums mit dem Quartier Neue Mitte Porz erfolgreich vollendet werden. Und auch hier werden Wohnungsgesellschaften, wie Sahle Wohnen und ASWG Aachener Siedlungsgesellschaft einbezogen. Diese bauen geförderten Wohnraum und ein Haus der Kirche.

Luftansicht Neue Mitte Porz im Februar 2023 | Bild: Moritz Gröne

RK: Die moderne stadt wirkt federführend an den Kölner Schlüsselprojekten mit. Von Quartieren wie dem Butzweilerhof oder dem Clouth-Quartier geht eine Aufwertung ganzer Stadtteile aus. Wie sorgt die moderne stadt dafür, dass die wertvollen Impulse der Schlüsselprojekte über die räumlichen Grenzen der Quartiere hinausgehend Wirkung entfalten, die bei möglichst breiten Schichten der Kölner Bevölkerung ankommt? Wie kann Stadtentwicklung auf die Vielfalt der unterschiedlichen Bedürfnisse ausgerichtet werden und dabei gleichzeitig den Wirtschaftsstandort Köln im Auge behalten?

Das sind zwei Fragen auf einmal, die beide den Aspekt der Bürgernähe beinhalten. Deshalb möchte ich kurz und bündig sagen, was wir unter Bürgernähe verstehen: Neue Wohn- und Arbeitswelten schaffen und kontinuierlich zu verbessern! Clouth und der Butz sind zwei gute, wenn auch völlig unterschiedliche Beispiele dafür. Das Clouth-Quartier lebt im Kern von der Mischung seiner Wohnformen, von nachbarschaftlichen Wegebeziehungen und der Durchgrünung mit privaten, halböffentlichen und öffentlichen Flächen. Der Quartiersplatz, an dem sich die Wege kreuzen, bildet die gemeinsame grüne Mitte des Clouth-Quartiers und seiner Umgebung. Der nachbarschaftliche Zusammenhalt wird zusätzlich durch die Integration von Baugruppen und von Bildungs-, Sozial- und Kulturträgern in die Quartierssoziologie verstärkt. Kultur und Kreativität werden ganz selbstverständlich mit der Dynamik vielfältiger Formen des Wohnens und des Miteinanders in alle Bereiche des Alltags eingebunden. Ein wichtiger erster Schritt dazu war die Rückkehr der Künstler ins Quartier. Im Quartierskomplex Clouth 104 sind heute etwa 20 Ateliers zuhause, die zum Teil vom Kulturamt der Stadt Köln gefördert werden. Die Verbindung von Co-Working und Kunst in Ateliers, Büros, Eventräumen, Gastronomie, in Hotels und auf öffentlichen Flächen ist wie dafür geschaffen, Nachbarn genau wie Kunstfreunde aus nah und fern im lebendigen Quartier zusammenzubringen. Bevor es so weit war, wurde für den Erhalt von Kunst und Kultur im Quartier auch auf Erlöse verzichtet und jetzt trägt das Zentrum der Kreativwirtschaft die erwarteten Früchte. Das Clouth-Quartier punktet mit der Zentralität des Szene-Veedels Nippes, mit viel Raum für sozialen Austausch vor historischer und heute wieder filmreifer Kulisse, mit anregenden Impulsen aus der Kreativwirtschaft und mit dem Johannes-Giesberts-Park, der unter Landschaftsschutz steht.

RK: Das Clouth-Quartier darf sich mit der Verleihung des polis Awards über eine hervorragende Auszeichnung freuen, die für besondere Nachhaltigkeit verliehen wird. Zu dieser Leistung kann man Ihnen und der Stadt ganz besonders gratulieren.

AR: Vielen Dank! Wir sehen, dass Nachhaltigkeit bei der Stadtentwicklung eine stark wachsende Rolle spielt. Deshalb ist der polis Award für soziale Quartiersentwicklung ebenso wie der Brownfield Award als bestes kommunales Konversionsprojekt eine wertvolle Bestätigung unserer Arbeit. Im Clouth-Quartier finden sich moderne Wohn- und Arbeitswelten, wie beispielsweise das Co-Working auf fruchtbarem und gleichzeitig nachhaltigem Boden wieder. Mit dem Platin-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen hat das Gebäude Clouth 104 übrigens zusätzlich die höchste Auszeichnung der DGNB erhalten. Die Summe aller Standortvorteile hat sogar Warner Bros. überzeugt. Mit dem Zuzug von mehr als 400 Mitarbeitern ins Quartier Ende 2019 setzt die deutsche TV-Produktionsgesellschaft des US-Konzerns Time Warner auf das Clouth-Quartier. Die lebendige Vielfalt des Wohnens, der Kunst, der Kultur und der Wirtschaft, der weitläufigen Grünflächen, der ökologischen Bauweise, der Nachhaltigkeit, der flexiblen Raumkonzepte und der Kommunikation wurden im Clouth-Quartier Schritt für Schritt zu einem einzigartigen Ganzen zusammengeführt.

RK: Das hört sich nach einem Schlussakkord des Clouth-Quartiers an. Wurde dort nicht erst mit Clouth.Tor 2 ein weiterer und der finale Höhepunkt erreicht?

AR: Doch, doch! Da haben Sie natürlich recht. Erst mit der Konzeptvergabe für das letzte Baufeld rund um das denkmalgeschützte Werkstor 2 wurde im Jahr 2021 der Schlussstein der Quartiersentwicklung gelegt. Es werden 100 freifinanzierte, 45 öffentlich geförderte Wohnungen und 60 Wohnplätze für Studenten mit gemeinschaftlich genutzten Räumen entstehen. Start-ups und etablierte Unternehmen erhalten flexible, inspirierende Ideenfabriken und Denkwerkstätten in Einzel- und Großraumbüros, im lichten Loft oder in Co-Working-Spaces. Die Musical-Akademie mit Tanz- und Gesangausbildung für rund 150 Schüler setzt mit seinem Theatersaal ein weiteres kulturelles Glanzlicht des Quartiers. Mit Clouth.Tor 2 haben wir 2021, wie Sie sagen, den Schlussakkord gesetzt und, um im Bild zu bleiben, gleichzeitig die Ouvertüre für eine erfolgreiche Zukunft des Clouth-Quartiers vollendet.

Visualisierung für CLOUTH.TOR 2 | © moderne stadt

RK: Sie sagen, dass der Butzweilerhof ein weiteres Beispiel für die bürgernahe Verbindung von Wohn- und Arbeitswelten mit ganz eigenen Quartiersmerkmalen ist. Was macht die Entwicklung dieses Quartiers so besonders?

AR: Was die Industriearchitektur für Clouth betrifft, ist der historische Flughafen Butzweilerhof für das Konversionsprojekt im Kölner Nordwesten von Bedeutung. Die denkmalgeschützten Gebäude gehörten in den20er- und 30er-Jahren zum Luftkreuz des Westens, einem der größten Flughäfen Deutschlands. Ganz ehrlich? Für mich liegen die Hauptunterschiede aber nicht in den unverwechselbaren Merkmalen, sondern in der schieren Größe der Quartiere und in ihrer Lage. Das Clouth-Quartier ist 14,5 Hektar groß und das Areal am Butzweilerhof 55 Hektar. Es ist also fast viermal so groß. Das Clouth-Quartier befindet sich mit über 12.000 Einwohnern pro Quadratkilometer in einem am dichtesten besiedelten Kölner Stadtteil in Nähe des Nippeser Bezirkszentrums. In Ossendorf liegt die Einwohnerdichte deutlich unter 2.000 Einwohner pro Quadratkilometer. Das Bezirkszentrum Venloer Straße im Stadtteil Ehrenfeld ist über vier Kilometer entfernt. Beide Quartiere stehen vor ihrer Vollendung. Der Butzweilerhof erhält im Sommer 2023 als abschließenden Baustein im Büro- und Gewerbecampus Kite eine moderne, klimaneutrale Büroimmobilie. Der gesamte Campus setzt bewusst auf die Anziehungskraft des Bürgerparks und der Event-Location Motorworld. Auf rund 2.280 Quadratmetern Grundstücksfläche wird das neue Kite Loft 5.500 Quadratmeter Bürofläche mit flexiblen Grundrissen plus Dachterrasse mit Blick auf die Kölner Skyline und ein Café im Erdgeschoss bieten. Ich finde das Projekt in vielerlei Hinsicht wegweisend: Es wird eine DGNB-Gold-Zertifizierung angestrebt. Besondere Merkmale sind Stellplätze mit Ladevorrüstungen, moderne Fahrradboxen für E-Bikes, Duschen für alle, die mit dem Rad kommen oder zwischendurch im Bürgerpark joggen als auch Kalorienzähler in den Treppenhäusern, die zu noch mehr Bewegung motivieren. Die Nachbargebäude mit der Sparkasse KölnBonn als Ankermieter wurde bereits Ende Juni eröffnet. Das lebendige Quartier mit viel Wohnraum, dem Einrichtungshaus IKEA, dem Bürgerpark und der Event-Location Motorworld ist ein weiteres Prachtstück unserer wieder wachsenden Domstadt.

DER BUTZ | Vom Luftkreuz West zum neuen Stadtviertel | © moderne stadt

RK: Immer mehr Menschen achten bei der Wohn- oder Standortwahl auch auf eine intakte Umwelt. Nachhaltigkeit, wie sie zum Beispiel durch eine DGNB-Zertifizierung zum Ausdruck kommt, ist deshalb auch ein Vorteil für die Vermarktung. Die Herausforderungen an Umwelt- und Klimaschutz wachsen. Welche Rolle werden ökologische Kriterien und ressourcenschonende Lösungen unter ökonomischen Aspekten bei Ihren Planungen in Zukunft einnehmen?

AR: Nachhaltige Planung ist ein Eckpfeiler unserer Tätigkeit. Dass das seit vielen Jahren so ist, zeigt sich eben auch im Kite Loft, über das wir gerade gesprochen haben und das wird über die Entwicklung des Deutzer Hafens hinaus so bleiben. Unsere Pläne für den Deutzer Hafen Köln haben im Sommer 2020 sogar schon zum Vorzertifikat in Platin geführt. Die DGNB hat die Planung für überdurchschnittlich soziokulturelle, funktionale und ökologische Qualität ausgezeichnet. Bei der Bewertung von Wohnlagen und Quartiersentwicklungen zählen zielgruppenspezifische Vorgaben, Gewinnmaximierung oder besondere Vermarktungserfolge zu den übergeordneten Aspekten. Für die Stadtentwicklungsgesellschaft geht es darüber hinaus um eine Balance aller Faktoren und um den nachhaltigen Erfolg der gesamten Stadt. Gemeinsam mit Cobe aus Kopenhagen, dem Büro Happold aus Berlin und der Stadt Köln hat die moderne stadt die erste Version des Handbuchs Nachhaltigkeit mit Leitlinien für die Planung und Kriterien bei der Grundstücksvergabe verfasst. Diese haben wir im Herbst 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt. Für Baudezernent Markus Greitemann und Umweltdezernent William Wolfgramm eine gute Gelegenheit, ein gemeinsames Zeichen für mehr Nachhaltigkeit zu setzen. Wir alle sind gefordert, unser privates und berufliches Handeln an den kontinuierlich wachsenden Druck, der vom Klimawandel für uns alle ausgeht, anzupassen. Der Wille ist längst da. Was fehlt, ist umfassendes Wissen darüber, was konkret geleistet werden kann. Auch als Ziel der Stadtplanung unterliegt die Nachhaltigkeit stetigen Veränderungen. Deshalb wird das Handbuch kontinuierlich an Fortschritte des Quartiers und an die aktuellen technischen Möglichkeiten angepasst.

RK: Umweltschutz, soziokulturelle Qualität, Bedürfnisse nach bezahlbarem und gesundem Wohnen und Wirtschaftlichkeit der Stadtentwicklung wollen also bei aller Dynamik der Rahmenbedingungen miteinander in Einklang gebracht werden. Wie genau wird Stadtplanung diesem hohen Anspruch gerecht?

AR: Das ist richtig. Umwelt, Stadtgesellschaft und Bezahlbarkeit sind bei aller Wertschöpfung ganz wesentliche Elemente der Nachhaltigkeit von Quartiersentwicklungen der moderne stadt. Angesichts der Kostenentwicklung haben wir also bei jeder Entwicklung äußerst anspruchsvolle Aufgaben vor uns. Lassen Sie uns noch einmal kurz zum Clouth-Quartier zurückkehren, um zu sehen, wie moderne stadt diese Verantwortung wahrnimmt: Mit dem Bau von 75 freifinanzierten Wohnungen im östlichen Teil des Quartiers durch uns als Bauträger, weiterer 75 öffentlich geförderter Wohnungen und mit einer rund 360 Quadratmeter großen Wohngruppe der GAG auf dem benachbarten Baufeld wurde eine Lösung für mehr bezahlbaren Wohnraum geschaffen. Die Wohngruppe wird von der Köln Ring gGmbH geleitet, dem Träger, mit dem die GAG bei mehreren Projekten erfolgreich zusammenarbeitet. Das verdeutlicht noch einmal, wie wichtig das gemeinsame Handeln verschiedener Akteure ist. Unser Ziel als Entwickler war von Anfang an, einen nachhaltigen Investor zu finden, der den attraktiven und bezahlbaren Wohnraum im Clouth-Quartier langfristig sichert. Die soziokulturelle Qualität der Nachhaltigkeit bedeutet, über Umwelt, Klima, Kunst und Kreativität hinaus auch an das essenzielle Bedürfnis aller Kölnerinnen und Kölner nach attraktivem Wohnraum zu denken. Weil mein ehemaliger Kollege Bernd Streitberger erkannt hatte, dass der Bedarf an Wohnraum die Flächenkonkurrenz dominiert, hatte moderne stadt die Stadt Köln im Jahr 2014 um eine Anpassung des Bebauungsplans gebeten. Es ist hauptsächlich sein Verdienst, dass ein Baufeld an der Xantener Straße von einem Mischgebiet zu einem Wohngebiet umgewidmet wurde und 100 zusätzliche Wohnungen entstehen konnten. Genauso großartig ist es aber, die höchsten Auszeichnungen für nachhaltiges Bauen zu erhalten, und Künstlern genauso wie modernen Arbeitswelten ausreichenden Raum zu geben. Insgesamt sind im Clouth-Quartier rund 1.250 Wohnungen entstanden, 100 mehr als ursprünglich geplant. Wir werden solche Erfolge weiterhin erzielen, weil ich in jedem Quartier mit großer Leidenschaft die Herausforderung annehme, auch attraktiven Wohnraum für Kölner Bürger und Bürgerinnen zu schaffen.

RK: Im Jahr 2022 hat sich die Situation an den Wohnungsmärkten deutscher Großstädte stark verändert. Die Kosten bringen noch mehr Abläufe ins Stocken als zuvor und schon zwei Jahre vorher hatte Corona zu Verzögerungen und neuen Verhaltensmustern wie der Verstärkung des Trends zur Suburbanisierung, der Homeoffice-Nutzung oder der abnehmenden Zuwanderung aus dem Ausland geführt. Was bedeuten diese Veränderungen für die Entwicklung der Millionenstadt Köln und für die moderne stadt?

AR: Für einige Entwickler, die sich monothematisch auf Hotels, innerstädtischen Einzelhandel oder Geschäftsmodelle konzentrieren, die von kurzfristigen Preissteigerungen profitierten, hatte Corona nachteiligeAuswirkungen entfaltet. Das operative Geschäft der moderne stadt wurde durch die Corona-Krise hingegen kaum beeinträchtigt, weil wir gemischt genutzte Quartiere mit hohen Wohnanteilen, wie das Clouth-Quartier, den Deutzer Hafen Köln und die Neue Mitte Porz, entwickeln. Unsere Baustellen liefen und laufen während Pandemie und Krise weiter. Corona hatte sich hauptsächlich auf die Prozessgestaltung ausgewirkt. Auf die Rohstoffknappheit und Preisanstiege reagieren die Marktteilnehmer unterschiedlich. Ich sehe die Wohnungswirtschaft in der Verantwortung jetzt neue Wege zu gehen, anstatt einfach stehenzubleiben. Einer dieser Wege könnte über den seriellen und modularen Wohnungsbau führen. Auf dem Feld der Digitalisierung bleibt noch viel zu tun. Corona hat uns gezeigt, dass die Chancen der Digitalisierung enorm sind und teilweise viel selbstverständlicher genutzt werden, als wir vorher angenommen haben.

RK: Im Sommer 2020 fand die Branchenmesse „polis Convention“ rein digital statt. Als Standpartner der Stadt Köln hat moderne stadt Teile der Gestaltung des digitalen Messestandes geprägt. Welchen Eindruck hat die virtuelle Version bei Ihnen hinterlassen?

AR: Das Masterthema der Stadt war das Zukunftsquartier Deutzer Hafen Köln. Zur Eröffnung des Kölner Standes wurde der Videomittschnitt der Übergabe des Vorzertifikates in Platin gezeigt. Darüber hinaus hat moderne stadt ein dreidimensionales Kubaturenmodell des Deutzer Hafens für den Gemeinschaftsstand erstellen lassen, das unterschiedliche Perspektiven des künftigen Stadtraums virtuell erlebbar macht. Das Model ist Grundgerüst einer BIM-Planung und Kernbestandteil des künftigen virtuellen Stadtmodells der Stadt Köln. Besucher konnten die virtuellen Messehallen dreidimensional erkunden und über die Kommunikationsplattformen der Messestände in den Austausch und in den Diskurs treten. Messe und Kongress wurden virtuell erlebbar. Aus der Verlagerung von Verfahren und Veranstaltungen haben wir viel gelernt, was heute sehr hilfreich ist. Der im Frühjahr 2020 unter Coronabedingungen ausgelobte Brückenwettbewerb wurde bereits im Sommer des gleichen Jahres entschieden. Die Pandemie wird nicht umsonst von vielen auch als Katalysator und Digitalisierungsschub gesehen. Weder die Entwicklung ganzer Stadtquartiere mit Wohn- und Geschäftshäusern, noch unsere Bauträgertätigkeit wären ohne digitalen Fortschritt zu bewältigen. An eine Stadtentwicklungsgesellschaft mit ausgeprägter Hochbaukompetenz stellen sich sowohl lokal als auch global immer höhere Anforderungen. Das ist durch Corona noch deutlicher geworden.

RK: Mit steigenden Preisen für Material, Arbeit und Bauland befinden wir uns jetzt mitten im nächsten Stresstest. Welche Möglichkeiten der Stadtentwicklung und des Wohnens müssen jetzt geschaffen und genutzt werden, um diesen Test zu bestehen?

AR: Die Frage, wie unter den erschwerten Bedingungen in der Zukunft gebaut wird, ist noch offen. Fest steht, dass Zukunftsquartiere wie die Parkstadt Süd und Köln-Kreuzfeld auf den Weg gebracht werden. Aus dem wettbewerblichen Dialog ging der Entwurf „The Woodhood – Kreuzfeld Gartenstadt 2.0“ als Favorit hervor. Das Zwischenergebnis der aktuellen integrierten Planungsphase wird der Öffentlichkeit in einer Präsenzveranstaltung am 11. März 2023 im Bürgerzentrum Chorweiler vorgestellt und gemeinsam mit ihr diskutiert. Die öffentliche Veranstaltung zur Zwischenpräsentation der integrierten Planung wird von Henriette Reker eröffnet. Für das Großprojekt Parkstadt-Süd wurde vergangenen Herbst mit dem Pionierpark ein besonderer Meilenstein erreicht. Das erste Pionierprojekt wurde am 22. September 2022 offiziell als Zwischennutzung der gesamten, städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen eröffnet. Angesichts dieser beiden Großprojekte, die in unübersichtlichen Zeiten vorangebracht werden müssen, ist Köln gefordert, zusammenzustehen, moderne Schlüsselstrategien auf dem Weg zu bezahlbarem Wohnraum zu nutzen und neue Wohnkonzepte zu entwickeln, um die Attraktivität der für alle Bürger offenen Domstadt gemeinsam zu erhalten.

RK: Ein schönes Schlusswort. Ich wünsche der Stadtentwicklungsgesellschaft in Köln moderne stadt für Köln maximalen Erfolg und uns allen den Zusammenhalt, der unserer Stadt in dieser Zeit besonders guttut.

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