Immobilienmakler Köln Bonn - KAMPMEYER Immobilien GmbH
HAUPTMENÜ
Köln

Wo steht Köln heute? Ein Gastbeitrag von Konrad Adenauer

Lesedauer: 6 Minuten
05. Juli 2015 von

Politisch gesehen hat Köln gerade den Skandal mit der Falschauszählung der Kommunalwahl 2014 hinter sich und die Oberbürgermeisterwahl am 13. September 2015 vor sich. Aber wo steht Köln sonst im Vergleich zu anderen Großstädten Deutschlands?

Köln war bis zur Neuzeit die größte deutsche Stadt und eine der größten Europas – reich, mächtig, angesehen. Köln konnte sich aus eigener Kraft 1388 eine Universität zulegen. Mit dem Niedergang der Hanse und der Verlagerung der Schifffahrt von der Ost- zur Nordsee und nach der Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Indien auf die Weltmeere geriet Köln in mancherlei Hinsicht ins Abseits, zumal Köln, selbst gewählt, eine Freie Reichsstadt und keine Residenzstadt war.

Die Franzosen machten Köln zwischen 1794 und 1814 zu einer zwar „guten“, aber doch Provinz-Stadt am Rande ihres Kaiserreiches. Immerhin bewirkten ihr (Neu-) Ordnungsgeist und das straffe Regiment Preußens nach dem Wiener Kongress vor 200 Jahren, dass Köln aufwachte und sich wieder in den Wettbewerb begab. Der Kaufmannsgeist entwickelte sich neu, es entstanden Rheinschifffahrts- und Eisenbahnlinien, aus Handelshäusern wurden Banken, welche wiederum Versicherungen gründeten. Die Rübenzuckerindustrie und das metallverarbeitende Gewerbe blühten auf, Fahrzeug- und Motorenwerke, Betriebe für Elektrotechnik und die Glasindustrie entstanden. Die Motorisierung der Welt infol- ge der Erfindung des Otto-Motors nahm von Köln aus ihren Lauf. Köln war die führende Banken- und Versicherungsstadt des Deutschen Bundes, bis Berlin nach der Reichseinigung 1871 immer mehr in diese Rolle hineinwuchs. Köln beherbergte damals zwar keine Universität mehr, dafür aber den Rheinischen Appellationsgerichtshof, der das Gebiet der Oberlandesgerichte Düsseldorf, Köln und Koblenz umfasste. Köln war nicht Hauptstadt, aber Hauptort der bevölkerungsreichsten preußischen Provinz, nämlich der Rheinprovinz.

So wurde Köln zur westdeutschen Metropole, zum europäischen Verkehrsknotenpunkt an der größten Verkehrsader Europas, unserem geliebten Rhein. Bis zum Zweiten Weltkrieg behielt Köln die Stellung als drittgrößte Stadt des Deutschen Reiches, vor München. Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges ging es Köln weiter gut – durch den Wiederaufbau und die Stellung zwischen der Landeshauptstadt Düsseldorf und der Bundeshauptstadt Bonn. Manche zentrale Rolle spielte Köln als Heimat vieler Botschaften und Konsulate, noch mehr als Sitz von Bundesverbänden und Bundeskammern. Und jetzt? Die Generali-Versicherung verlegt nach nur sechsjähriger Bleibe ihren Sitz nach München, der neuen Versicherungs-Hauptstadt. Lufthansa geht vollständig nach Frankfurt, während lediglich Germanwings hier ansässig bleibt. LANXESS ist dann die einzige DAX-Gesell- schaft in Köln. Der Flughafen KölnBonn rangiert als „kleiner Bruder“ zwischen Düsseldorf und Frankfurt, die KölnMesse macht sich allerdings nach wie vor gut. Aus Klöckner-Humboldt-Deutz wurde die kleine DEUTZ AG, Ford macht immer wieder Höhen und Tiefen durch. Köln hat durch die Wieder- vereinigung nur verloren, Bonn hat sich dank Post, Telekom und UNO gehalten, Frankfurt und Berlin haben gewonnen.

Wo strahlen Kölns Sterne? Heutzutage in der Medienwelt, vor allem dank unserer Fernseh- und Rundfunk-Anstalten und der Bildungswelt. Köln verfügt neben der einzigartigen Deutschen Sporthochschule und der angesehenen Hochschule für Musik und Tanz über die größte Universität und die größte Fachhochschule Deutschlands, neben vier Max-Planck-Instituten. Diesen Tatsachen muss Köln als Stadt mehr Rechnung tragen. Wo erfährt der Kölner oder der Besucher, dass Köln die Wiege der Motorisierung der Welt ist? Ist dies etwa, mit „grüner Brille“ gesehen, eine Schande? Und heute: Kampf gegen den Autoverkehr, insbesondere durch Verengung der Hauptzufahrtsstraßen.

Wie kann man den Zustrom junger Menschen nach Köln erklären, womit lockt Köln neue Bewohner? Nicht mit Bergen, einer Küste oder großen Seen, nicht mit Prachtboulevards, Schlössern oder gemütlichem Mittelalter. Da die kölsche Sprache nicht als fein gilt und das Kölnisch Wasser nicht zur Luxusgüterindustrie gezählt wird, muss es etwas anderes sein. Es scheint die Kölner Lebensart zu sein, die Offenheit der Kölner, auch für Fremde, ihr Lebensmut und ihr Lokalstolz, der sich von keiner anderen Stadt übertreffen lässt, oder auch der Karneval. Dieses „Jeföhl“ kann aber auch zur Selbsttäuschung geraten, zur Selbstgenügsamkeit und zum Zurückbleiben hinter dem Fleiß und dem Wagemut anderer. Köln muss mutiger werden, es darf nicht nur zweitbeste Lösungen verwirklichen, wie zum Beispiel die Unterpflaster- bahn statt einer echten Untergrundbahn. Es muss eine Bundesgartenschau schultern und Wassertaxis auf dem Rhein zulassen, um nur einige kleine Beispiele zu nennen.

Köln hat so viel Potenzial, das brach liegt. Es gibt Gott sei Dank den Masterplan von Albert Speer und die Grün-Stiftung. Es fehlt aber an mehr Menschen, die sich uneigennützig und mit Charisma „vor den Karren spannen lassen“ und diesen Karren aus dem Loch ziehen, in dem Köln seit dem Archiv-Einsturz vor sechs Jahren steckt. Köln hat dank manches Pechs und mancher Affären viel Spott und Hohn geerntet. Köln will wieder ernst genommen werden. Dann muss es sich erst einmal selbst ernst nehmen, und zwar mit Zuversicht, Energie und Entscheidungskraft. Wenn Köln Firmen mit nationaler oder internationaler Bedeutung gewinnen will, muss es auch für Spitzenkräfte der Wirtschaft attraktiv werden und ihnen entsprechende Wohngebiete anbieten. Überhaupt muss der Wohnungsmarkt durch ein höheres Angebot von Baugrundstücken stärker belebt werden. Mietpreisbremsen bringen gar nichts – im Gegenteil.

Warum müssen Hochzeitspaare ihren „Hochzeitstisch“ auf der Düsseldorfer Kö einrichten? Weil es in Köln keine Fachgeschäfte dafür gibt. Nur Kettenläden und Fressketten schaffen keine Weltstadt, sondern nur Gleich- und Mittelmaß. Die Suche nach dem Markenbild Kölns hat wenig gebracht, der Dom und die Kultur wurden dafür ausgeblendet. Dabei gilt folgendes: ohne Dom wäre Köln nichts und ohne den kulturellen Standard, den es zu halten und zu mehren gilt, wäre Köln auch nichts. Positiv sind zu erwähnen: die Sanierung von Oper und Schauspiel, der Rheinboulevard, der Neubau des Historischen Archivs, des Schaugewächshauses der Flora sowie der Archäologischen Zone und des Jüdischen Museums.

Zunächst müssen aber Straßen, Brücken und Tunnel repariert werden, dann die Museen, sie müssen wieder auf ein „heiles Niveau“ gebracht werden. Wir brauchen eine Stadtführung, die nicht Brot und Spiele verspricht, sondern Blut, Schweiß und Tränen.

Konrad Adenauer wurde im Januar 1945 in Honnef geboren und besuchte das Apostelgymnasium in Köln. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften in Köln und Freiburg im Breisgau und legte 1969 und 1973 seine Staatsexamina ab. 1980 wurde er zum Notar mit Amtssitz in Köln ernannt und assoziierte sich mit Axel Rodert und 2009 mit Erich R. Thies. Wegen Erreichens des 70. Lebensjahres schied Konrad Adenauer zum 31.01.2015 aus dem Notariat aus.

Der Gastbeitrag erschien in der KAMPMEYER-Analyse 2015. Den Immobilienmarktbericht für Köln können Sie hier online bestellen.  

Konrad Adenauer PortraitAdenauer bekleidet eine Reihe von Ämtern und Ehrenämtern, wie den Vorstandsvorsitz der Stiftung Stadtgedächtnis, des Kölner Haus- und Grundbesitzervereines von 1888 e.V., des Deutschordens-Wohnstiftes Konrad Adenauer e.V., des kölnischen Geschichtsvereines, der Freunde des Museums Schnütgen und des Vereines der Freunde und Förderer des Herzzentrums des Universitätsklinikums Köln e.V. Er ist Schatzmeister der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde sowie Vorstandsmitglied der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft e.V. an der Universität Köln. Er ist Mitglied des Vorstandes der öffentlich-rechtlichen Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Bad Honnef-Rhöndorf sowie in Gremien zahlreicher weiterer Stiftungen tätig.

Stichworte: , , , , ,


Kundenbewertung

(5.5 von 6 Sternen)


Objekt-Tracking PLUS 2017